Landesgartenschau Ingolstadt 2020: ein Füllhorn grünplanerischen, floristischen und gärtnerischen Könnens

Impulsgeber Landesgartenschau

Öffentliche Grünanlagen sind unverzichtbar für Städte und ihre Bewohner. Mit Bayerischen Gartenschauen bietet sich Städten die große Chance, grünplanerische Ziele effektiv umzusetzen. So entstehen nachhaltig attraktive Lebens- und Begegnungsräume, die Erholungsmöglichkeiten bieten, Begegnungsräume schaffen und einen hohen Freizeitwert versprechen. Dies steigert die Lebensqualität der Stadtbevölkerung auf lange Sicht, auch für nachfolgende Generationen.

Eva Linder, Geschäftsführerin der Landesgartenschau Ingolstadt 2020: „Ich war schon bei der ersten Ingolstädter Landesgartenschau 1992 im Organisationsteam und kann als Ingolstädterin bestätigen, dass die ganze Stadt von der ersten Landesgartenschau profitiert hat. Das einstige Gartenschaugelände – der heutige Klenzepark – ist nicht mehr aus Ingolstadt wegzudenken.“

Die aus der Landesgartenschau Ingolstadt 2020 nun dauerhaft hervorgehende, rund 23 Hektar große neue Grünanlage erhöht nicht nur die Lebensqualität für die Bewohner der angrenzenden Viertel, sondern bietet zudem ein neues Wegenetz für den bequemen, mehrere Stadtteile verbindenden Fuß- und Radverkehr.

„Inspiration Natur“ – unter diesem Motto lädt die Landesgartenschau Ingolstadt vom 29. Mai bis 18. Oktober 2020 ein. Sie hält ein grünes und blühendes Angebot für Blumenfans, Gartenliebhaber und Naturfreunde bereit.

Themengärten

„Nachhaltig, vielfältig, grün“ – das ist die Überschrift für neun Themengärten, in denen Möglichkeiten einer umwelt- und ressourcenschonenden privaten Gartengestaltung gezeigt werden. Regionale Firmen stellen ihre speziellen Sichtweisen für eine nachhaltige Gartengestaltung vor. Dabei demonstriert jeder Betrieb, wie unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden können und wie durch die Symbiose der verschiedenen Elemente kreative, moderne oder auch klassische Akzente entstehen: Durch Upcycling, also die Wiederverwendung bereits genutzter Materialien oder durch die Auswahl von Pflanzen in einem „Klimawandelgarten“.

Die Welt der Pflanzen-Farben-Phantasien

Wechselflorflächen, das sind Pflanzbeete, die mit Saisonpflanzen gestaltet sind. In den ersten Gartenschaumonaten prägen Frühlingspflanzen wie zum Beispiel Tulpen, Goldlack und Violen, Mohn, Ranunkeln und Vergißmeinnicht das Bild, ehe sie nach und nach gegen Sommerblumen wie Hibiskus, Löwenmäulchen, Gräser, Amaranth, Buntnesseln und viele andere Blütenpflanzen ausgetauscht werden. Jede Wechselflorfläche folgt einer Farbkombination, wie etwa „Natur in Pink trifft auf Grau“ oder „Blau trifft Grün wieder“.

Insgesamt wurden rund 100.000 Blumenzwiebeln im Herbst 2019 gesteckt, damit die Besucher ab April ein Blumenmeer willkommen heißt. Dazu wurden rund 15.000 Stauden gepflanzt, von denen viele dauerhaft im neuen Naherholungsgebiet gedeihen.

Landwirtschaft in allen Facetten

Wie akzeptiert sind heute die Arbeitsweisen und Leistungen der Landwirtschaft? Und wie wertschätzen wir die erzeugten Produkte? Im Bereich „Inspiration Landwirtschaft“ stellt sich die moderne Landwirtschaft von heute und morgen vor. Im Beitrag Ökologische Landwirtschaft sieht man auf 54 Parzellen verteilt den ökologischen Anbau einer Vielzahl verschiedener Blüh- und Nutzpflanzen. Gemeinschaftlich bewirtschafte Gemüsegärtchen moderner Großstädter nennt man Krautgärten. Ingolstädter Bürger bauen hier frisches Gemüse und mehr an.

Gärtnerplatz und Infozentrum „Bayern blüht“

Alltagstauglich und kompetent beraten die gärtnerischen Berufsverbände in ihrem Infozentrum. Neben allerlei praktischer Tipps von Experten zu vielerlei gärtnerisch-grünen Themen finden sich hier jahreszeitlich passende Anregungen wie zum Beispiel die aktuelle „Balkonpflanze oder das Gemüse des Jahres 2020“. An den Wochenenden findet ein Pflanzenverkauf statt.

Mehr als florale Kunst: die Blumenschauen in der Gartenschau

Pflanzideen, blumige Kombinationen und gestalterische Ideen – gepaart mit der überbordenden Phantasie, Vorstellungs- und Umsetzungskraft von Dieter Scheffler und seinem Team aus Floristen, Gärtnern, Kunsthandwerkern und Künstlern sind schon allein genug Gründe, um die Gartenschau 14 Mal zu besuchen.

„Meine Leidenschaft ist es, mir immer wieder aufs Neue Konzepte auszudenken, wie sich einzelne Beiträge zum großen Ganzen fügen. So berücksichtige ich die Haltbarkeit aller Blumen und Pflanzen, ihre saisonale Verfügbarkeit und ihre mögliche Indoor-/Outdoor-Nutzung, um so jede Blumenschau individuell zu konzipieren und auf einem hohen Niveau umzusetzen.“ Für die Blumenhalle in Ingolstadt hat der Chefflorist 14 unterschiedliche Themen entwickelt, die von „Frühlingshaften Blumengeschichten“ über „Köstliche Kostbarkeiten“ bis hin zu „Floralen Wohnwelten“ reichen. Und „zwischen den Zeiten“ ist es spannend, den Gestaltern beim Ab-, Um- und Aufbau über die Schulter zu sehen. Weitere Informationen zu den Blumenschauen finden Sier hier.

Gärten der Region

„Frankensteins Gartenkabinett“ hat die Stadt Ingolstadt ihren Beitrag benannt. Doch weshalb dieser exzentrisch anmutende Bezug? Mary Shelleys Romanfigur experimentierte an der – bereits 1472 gegründeten – Medizinischen Fakultät der Universität Ingolstadt und erschuf aus Menschenteilen das bekannte Monster. Diese Grundidee des Experimentierens kommt in Frankensteins Gartenkabinett zum Tragen: Es zeigt eine Auswahl an Zier- und Nutzpflanzen, die durch Züchtung, Kreuzung, Auslese oder Veredelung entstanden sind: Unter ihnen eine „Frankenstein-Rose“, die Ananas-Erdbeere und die Tomoffel – eine Hybride aus Tomate und Kartoffel. Ingolstädter Elemente, wie etwa die typisch roten Festungsziegel als Wegebelag und ein Wasserlauf, der die Donau symbolisiert, vervollständigen diesen Ausstellungsbeitrag. Er ist Teil des Gesamtbeitrags “Wir 4“. Unter dem Motto „Unsere Vielfalt – Deine Region“ gestalten neben der Stadt Ingolstadt die drei umgebenden Landkreise Pfaffenhofen an der Ilm, Eichstätt und Neuburg-Schrobenhausen jeweils einen individuellen Garten.

Grünes und weißes Gold, also Hopfen und Spargel ließen die in Pfaffenhofen ansässigen Wittelsbacher importieren und anbauen – und sie prägen die Region noch heute. Im Laubengang in der Gartenschau kann man neben Hopfen, der bis zu zehn Zentimeter am Tag wächst, auch Blauregen, Clematis und Kletterrosen bestaunen.
Der Naturpark Altmühltal ist Deutschlands viertgrößter Naturpark und liegt im Landkreis Eichstätt. Er zeichnet sich aus durch Trockenrasen, Wacholderheide, Kiefernwald, Feuchtwiesen, Felsen, Karsthöhlen und Steinbrüche mit Plattenkalk aus dem Jura. Diese finden sich auch im Beitrag wieder, dessen Herzstück ein kleiner Platz in Form eines Ammoniten, jenes Kopffüßlers, dessen Versteinerung zum Wahrzeichen des Naturparks wurde, ist.
Ganz anders zeigt sich der Garten des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen: Genuss mit allen Sinnen ist hier der Leitgedanke. Es duften Kamille und Flieder, während Weiden und Gräser, Blutweiderich und Mädesüß einen Hauch von Donaumoos auf die Gartenschau bringen.

Garten als Kraftort

Der Garten als Kraftort zeigt eine Neuinterpretation der Friedhofskultur. Es wird bewusst auf klassische Einzel-, Doppel- und Urnengräber verzichtet. Vielmehr steht im Vordergrund, wie ein Friedhof in Zukunft Aufenthaltsqualität und Platz zum Gedenken verbinden kann. Im Bereich Naturnah werden durch Steinmetze gebrauchte Grabmale eingesetzt und neu interpretiert, die Bepflanzung hat einen wilden Charakter. Architektonische Grabmale und Baumbestattung werden ebenfalls vorgestellt. Dazwischen ist die Sitz- und Spielskulptur „moveart climbeside 8.0.“, die der Doppelhelix der DNS, also dem Beginn des Lebens, nachempfunden ist. Abgerundet wird das Ensemble durch die neun Beete des Schöpfungsgartens, dem Ausstellungsbeitrag der Evangelischen und Katholischen Kirche Ingolstadt. Hier setzen sich Jugendliche, der Künstler Stefan Weyergraf-Streit und die Gärtnerin Gabriele Haid mit der Schöpfung und Zerstörung unserer Natur durch den Menschen auseinander.

„Zimmer frei – Gartenzimmer zum Entdecken und Erleben“

Ob Freizeitgärtner, Naturfreund oder Gartenanfänger – der Lehrgarten des Bezirksverband Oberbayern für Gartenkultur und Landespflege e.V. und sein Angebot an regelmäßigen Gartenberatungen und Lehrgartenführungen bieten für jeden etwas.

Kleinere und größere Gartenzimmer heißen Gäste mit verschiedenen Themenschwerpunkten willkommen:
Das „Nasch-Zimmer“ zeigt die Vielfalt von Naschfrüchten. Das „Obst-Zimmer“ bietet Einblick in die verschiedenen Erziehungsformen für Obstgehölze. Im „Kinder-Zimmer“ darf in Squarefoot-Beeten gesät, pikiert und gepflanzt werden. Im „Ess-Zimmer“ überrascht die Bandbreite des Gemüseanbaus und im „Kräuter-Zimmer“ geht es um Heil- und Gewürzkräuter. Im „Blumen-Zimmer“ sind ausgewählte Stauden und Sommerblumen anzutreffen, während im „Bade-Zimmer“ das Element Wasser dominiert. Entspannt und ruhiger sind „Wohn-Zimmer“ und „Schlaf-Zimmer“.

Schanzer Hölzer

Im Jahr 1537 wurde Ingolstadt zur bayerischen Landesfestung ausgebaut und blieb es rund 400 Jahre lang. Dies brachte der Stadt den Namen „die Schanz“ ein und ihre Bewohner verstehen sich auch heute noch als „Schanzer“. Ingolstadt  hat sich verpflichtet, bis 2050 eine Million Bäume zu pflanzen. Es entstehen neue Waldflächen, um die Lebensqualität nachhaltig zu sichern und wertvolle Biotope für Tiere und Pflanzen zu schaffen.

Das Forstamt und das Gartenamt Ingolstadt stellen rund um den großen Spaten, mit dem der Bau der Gartenschau symbolisch begonnen wurde, Klimabäume, den Baum des Jahres  sowie einheimische Bäume und Sträucher vor.